Sprachlos im Anfang

Über die ersten und letzten Dinge, über Ursprung und Ziel der Welt, spricht die Menschheit in zwei ganz unterschiedlichen Sprachen, in der Sprache der Religion und in der Sprache der Physik.

Möglicherweise sind beide Sprachen unzulänglich. Nicht nur die bildhaften religiösen Deutungen sind offenkundig angreifbar, auch die modernen physikalischen Kosmologien sind in entscheidenden Punkten lückenhaft und umstritten. Womöglich sind beide Ansätze weit davon entfernt, der Größe des Gegenstandes angemessen zu sein, so dass sie gleichsam immer nur an dessen Rändern kratzen. Außerdem sind beide Sprachen vorläufig nicht ineinander übersetzbar.

Diese Übersetzbarkeit, also die Möglichkeit dieselbe Sache von zwei Seiten zu beschreiben, wäre übrigens ein starkes Zeichen dafür, dass die Sache verstanden ist. Voraussetzung wäre natürlich, dass beide Sprachen tatsächlich etwas zur Klärung beizutragen haben. Manche Naturwissenschaftler werden das bezweifeln und fragen: Wie sollen wir Physik in Unfug übersetzen? Und vielleicht werden sie die Gegenfrage hören: Wie soll das mathematisch-physikalische Gestocher jemals die Dinge in ihrem Wesen erfassen? Vielleicht könnte die Philosophie, die in beide Richtungen leidlich kommunikationsfähig ist, eine Art Dolmetscherrolle spielen. Aber bislang kann sie diese Leistung nicht erbringen.

Zweifellos verfügen wir nach einigen Jahrtausenden Glauben, Denken und Satellitenschießen über eine kaum überschaubare Fülle an Daten und Deutungen. Im Kern aber, scheint mir, stehen wir mit ziemlich leeren Händen da.

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