Männer und ihre Missionen

Nicht selten kann man Frauen beobachten, die sehr intelligent sind, ihre Umgebung gut beobachten und einschätzen können, und die dennoch in einem gewissen äußeren Sinn wenig daraus machen. Jedenfalls nichts Besonderes, Auffälliges. Keine steile Karriere, keine spektakuläre Aktion, kein großer Roman. Selbst dann nicht, wenn besondere Hindernisse, etwa durch Phasen der Kindererziehung, fehlen.

Männer sind da, im Durchschnitt, anders. Unter ihnen fühlen sich selbst die mäßig Begabten zu Großem berufen. Eigentlich hat jeder Mann eine Mission. Tief im Innern ist er überzeugt, dass sich an ihm die Menschheitsgeschichte entscheidet. Hier und da gibt es auch Männer, die, jenen Frauen gleich, intelligent-unmissionarisch sind, aber selten.

Das heißt selbstverständlich nicht, dass die meisten Männer tatsächlich den großen Durchbruch schafften. Die meisten schaffen ihn nicht. Wahrscheinlich ist in der Welt einfach nicht genügend Platz für so viele Feldherren, Erlöser und Stars. Unter alten Männern kann man förmlich sehen, wie ihre Lebensphantasien zerbröckeln, wie die einen noch die Sache zu halten und zu stützen versuchen, während die anderen allmählich Abschied nehmen. Männer müssen ja von einigem Abschied nehmen. Großer Ehrgeiz, langer Abschied.

Man könnte in diesem Zusammenhang auch die Frage beleuchten, wie diese Männermentalitäten auf ihre Leistungen abfärben. Leistungen, die es ja gibt und die manchmal sogar einige Größe und Berechtigung haben, die aber zugleich häufig ins Kleinliche getaucht, von lindem Größenwahn infiziert sind. Männer haben einfach nicht die psychische Disposition, um rein sachlich an einem Thema zu arbeiten. Was ja auch rührend ist. Wahrscheinlich sind auch Männer Menschen, wenngleich manche unter ihnen das schwer akzeptieren können.

Über die spezifischen Limitiertheiten von Frauen mögen andere schreiben. Mir scheint, ihr Beitrag zur menschlichen Komödie ist nicht ganz so offenkundig.

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