Unter uns ujo

„Der Buddhismus unterscheidet alle Dinge in hijo – Dinge ohne Wunsch, wie Steine und Bäume – und ujo – Dinge, die Wünsche haben, wie Menschen und Tiere“, lese ich in einem Buch des Japan-Liebhabers Lafcadio Hearn. Das ist eine einfache und schöne Unterscheidung, über die man lange und in manchen Richtungen nachsinnen kann. Beispielsweise könnte die menschliche Sehnsucht nach der Natur damit zu tun haben, dass uns dort, anders als in den gesellschaftlichen Kampfwelten, viele „Dinge ohne Wunsch“ umgeben. Oder jedenfalls – wenn ich die Bussarde am Himmel sehe – mit Wünschen, die uns nicht tangieren. Und vielleicht praktizieren die Kühe, die darunter auf der Weide stehen, unter allen ujo die friedlichste Form der Wunscherfüllung. Zurückhaltender geht es einfach nicht. Die Inder haben wohl Grund, ein so genügsames, übergriffsfreies Leben mit Vorstellungen von Heiligkeit in Verbindung zu bringen.

3 Kommentare zu „Unter uns ujo

  1. Peace Panda sagt:

    Ein schöner Gedanke, eine schöne Einteilung. Ob es uns darum so gut tut, in der Natur zu sein?

  2. R. sagt:

    Apropos Rinder – ich habe mal in Schleswig-Holstein auf dem Land Urlaub gemacht. Dort begegnete ich häufiger beim Spazieren einzelnen Jungbullen oder auch ganzen Herden. Meine Güte, die waren ganz schön ujo!

    • Wolfgang Müller sagt:

      Schöner Punkt und – oje, die Welt ist wirklich komplex! – mir scheint, die Exemplare, die Dir begegneten, waren doch nicht so heilig 🙂

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