Anthroposophie (9): Keime

Ein Satz mit großer Tragweite: „Wie der Pflanzenkeim in der gegenwärtigen Pflanze die künftige vorbildet, so entwickelt sich, verborgen im menschlichen Innern, ein geistig-seelischer Keim, der sich durch seine eigene Wesenheit für die geistige Wahrnehmung als die Anlage des künftigen Erdenlebens erweist.“
Sollte die Analogie, von der Steiner hier spricht, zutreffen, würde sich (im Vergleich zu den üblichen Sichtweisen) das ganze Menschenleben in einem anderen Licht darstellen. Unter anderem hieße es: Der Mensch hat im Alter nicht das Wesentliche hinter sich, sondern sein Leben ist bis zur letzten Stunde bedeutsam und zukunftsträchtig. Eigentlich bekäme auch das Wort „letzte Stunde“ eine andere, begrenztere Bedeutung.

3 Kommentare zu „Anthroposophie (9): Keime“

  1. Rainer Herzog sagt:

    Das ist eine von Steiner häufig benutzte Analogie, der Hinweis auf das „Keimhafte“ der inneren Entwicklung. Interessant ist aber der Unterschied zwischen Natur und Mensch: Der Pflanzenkeim entwickelt sich auf jeden Fall zur Pflanze, ähnlich wie sich die Raupe auf jeden Fall zum Schmetterling entwickelt – beim Menschen ist das nicht der Fall, er muss aktiv, häufig in Auseinandersetzung und Opposition zu seiner „Natur“ (Gewohnheiten) seine geistige Wesenheit zur Entwicklung bringen. Er kann es auch existentiell-menschheitlich verschlafen.

    • R. sagt:

      Ist es nicht grad andersrum?
      Pflanzenkeime können durch mangelnden Regen oder zu viel Sonne an ihrem Wachstum zur Pflanze behindert werden. Aber der Mensch muss wiederkommen, ganz gleich, ob der Keim, den er legt verheißungsvoll ist oder eher gruselig. (Voraussetzung ist allerdings, dass die Erde in den nächsten Jahrzehnten/ Jahrhunderten bewohnbar bleibt.)

      • Rainer Herzog sagt:

        Jein. Eine Pflanze wächst eigentlich immer, mal mehr, mal weniger „besser“, je nach den äußeren Umständen. Der Mensch „sollte“ weiterkommen (im Sinne der in ihm angelegten Idee der Hierarchien, der Götter) er „muss“ nicht – das ist die Freiheit, die wir haben und mit der wir nicht umgehen können. Der Mensch kann aus Freiheit die in ihm liegende Idee ignorieren und er weiß noch nicht einmal, dass er das macht.

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