Wenige

Es gibt Tage, da erscheint mir die Welt wie eine Versammlung von Autisten. Jeder steckt in seinem eigenen Kosmos, zirkuliert in seinen eigenen inneren Abläufen, einen wirklichen Austausch gibt es nicht, man ist zusammen, ohne in Verbindung zu treten.
Dann fällt mir ein: Doch, ich kenne auch Menschen, die andere wahrnehmen, die ihre Umgebung zu lesen versuchen, die zum Beispiel auch ein Bild oder einen Text zu verstehen versuchen, ohne sogleich ihre drei, vier gedanklichen Raster drüberzustülpen.
Es sind wenige, sehr wenige. In ihrer Gegenwart atmet sich leichter. Sie tun etwas Ungewöhnliches: die Dinge erst mal anschauen, nicht immer gleich urteilen, nicht immer gleich alles zu wissen glauben. Aber das Einfache ist ebenso schwierig wie selten.

1 Kommentar zu „Wenige“

  1. Rainer Herzog sagt:

    „Jeder steckt in seinem eigenen Kosmos, zirkuliert in seinen eigenen inneren Abläufen…“ Ja, das kenne ich auch. Wenn es mir aber gelingt, mich dieser Beobachtung meditativ zu nähern, d.h. wenn ich die Dynamik zwischen „mir“ und „den anderen“ in ihrer Tiefe erforsche, entdecke ich meistens meinen eigenen Anteil, meine (unbewusste) Entscheidung für mein Gefangensein. Den eigenen Anteil des in-sich-seins projiziert man schnell in „die anderen“. Wenn ich mir das bewusst mache, kann ich versuchen, den ersten Schritt hin auf „die anderen“ zu machen. Meistens gibt es eine entsprechende Antwort.

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