Im toten Winkel der Integration

Ach, wie zauberhaft klingt das deutsche Wort „Schulterblick“ aus dem Munde eines syrischen Flüchtlings. Manche machen zurzeit ihren Führerschein. Einige sind in der Heimat schon jahrelang Auto gefahren, aber – nützt ja nichts – vor ihnen liegt jetzt die ganze deutsche „Theorie“ mit ihren Millionen Regeln und Schildern. Und dann die Fahrstunden. Und eben der Schulterblick. Der ist ja ein Heiligtum des hiesigen Fahrlehrergewerbes, ohne Schulterblick beim Abbiegen und Rückwärtsfahren kannst du sofort wieder aussteigen. Also praktizieren die Migranten jetzt den Schulterblick. Und nicht ohne Überzeugung, sie sind doch schon etwas deutsch. Auch wenn die Erinnerungen an die Heimat so schön dazwischenfunken. „Bei uns“, erzählt einer, „würden die Leute denken: Warum wendet er sich um?, er hat doch drei Spiegel. Offenbar ein Anfänger.“ – Kulturelle Differenzen, wohin man sieht.

Kommentar verfassen

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.