Anfänge politischer Bildung

Es muss 1967 gewesen sein. Auf einmal große Schlagzeilen: ein Krieg zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn! Ich war damals wohl in der vierten Klasse, vorwiegend am Fußballspielen interessiert, und erinnere mich, dass ich in der allgemeinen Aufregung die Kinderfrage stellte: Zu wem halten wir eigentlich? Zu Ägypten? – Das erschien mir wohl naheliegend, weil wir im Religionsunterricht gerade etwas über Joseph in Ägypten gehört hatten.

Nein, zu Israel, korrigierten mich die Eltern. Papa brach noch in den Ruf aus: Nasser, der Knallkopf! und hatte dabei mit seiner hochroten Glatze selbst einen schönen Knallkopf. Sie hatten wohl Angst vor einem großen Krieg. Im Rückblick wirken die Dinge ja immer handlicher, heute heißt es einfach Sechs-Tage-Krieg.

2 Kommentare zu „Anfänge politischer Bildung“

  1. Werner Friedl sagt:

    Regierungen müssen sich positionieren, Politiker müssen „klare Kante“ zeigen (glauben sie wenigstens) – ein Sowohl-als-auch ist schwierig. Angst vor den Zwischentönen allenthalben. Ja, es ist kompliziert geworden, war’s aber wahrscheinlich auch damals schon. Die Vermutung, dass früher alles handlicher war, hat sicher mit dem eigenen Lebensalter zu tun. Auch die 50er- und 60er-Jahre, meine Kinder- und Jugendjahre, kommen mir heute übersichtlich vor. Was sie natürlich keineswegs waren. Ich glaube nicht, dass alles immer komplizierter wird. Wenn man näher dran ist, also an der Gegenwart, fehlt einem der Überblick, wie wenn man mit der Nase auf irgendetwas aufsitzt. Der Israel-Palästina-Konflikt ist eine mindestens hundert Jahre alte Tragödie, komplex bis zum Anschlag, an der ganz viele Mächte und Menschen ihren Anteil haben. Zu wem man „halten“ soll? Da wird man dann doch wieder ganz nahe drangehen müssen, bis runter zu den einzelnen Menschen vor Ort.

  2. Rainer Herzog sagt:

    Heute ist es kompliziert geworden, das Ganze: Die sog. Linken sind häufig reichlich antisemitisch, wg Israel-Palästina. Man kann zu keinem mehr einseitig „halten“

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