Anthroposophie (15): Falsche Freunde

Wenn den Besucher eines Museums der Hinweis auf die Sponsoren begrüßt, die eine bestimmte Ausstellung „ermöglicht“ haben, oder wenn Wissenschaftler sogenannte Drittmittel einwerben, um ihre Forschungen mit besserer Ausstattung vorantreiben zu können, dann wird jeder den vordergründigen Nutzen begreifen; und doch werden viele zugleich ein Unbehagen empfinden. Noch viel größer wird das Unbehagen bei der massiven Einwirkung wirtschaftlicher Interessen im politischen Raum.

Was aber ist daran eigentlich falsch? Ist es nicht wünschenswert, dass die Sphären kommunizieren? Dass Ökonomie und Kunst in Verbindung kommen? Und, ja, dass Politik sich auch als Sachwalterin wirtschaftlicher Projekte versteht, von denen häufig viele Arbeitsplätze abhängen?

Dennoch ist der Argwohn gegenüber einem solchen Übergreifen aus einer Sphäre in eine andere berechtigt. Er erfasst spontan, welche Verschiebungen und Verzerrungen in einem solchen Übergreifen angelegt sind, wie hier untergründige Abhängigkeiten entstehen und sachfremde Gesichtspunkte einsickern. Nur gilt es das diffuse Unbehagen zu klären, gilt es begrifflich herauszuarbeiten, warum kommunizierende Sphären dennoch nach ihren eigenen Gesetzen funktionieren sollten.

Genau dies versucht Steiners Konzept der sozialen Dreigliederung zu leisten. Es kann ein erhellendes Licht auf Fehlentwicklungen werfen, die von vielen gespürt, aber von wenigen verstanden werden. Was Steiner als Leitbild formuliert – eine relative Autonomie von Wirtschaftsleben, Rechtsleben und Geistesleben – kann auf den ersten Blick als ein steifes und künstliches Modell erscheinen. Und kann doch nach und nach in seinem inneren Sinn und seiner praktischen Bedeutung sichtbar werden.

5 Kommentare zu „Anthroposophie (15): Falsche Freunde“

  1. … war neulich in Hasso Plattners privatem Kulturtempel, dem Museum Barberini:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Museum_Barberini

    „Quod non fecerunt barbari, fecerunt Barberini“

    ( der Spruch zur freien Interpretation )

    • Wolfgang Müller sagt:

      Schönes Zitat 🙂 Zumal wenn man an den historischen Hintergrund denkt und mal im Pantheon gestanden & gestaunt hat…

      • … ich stand im Pantheon und hab gestaunt,

        über das Licht, das durch das „Opaion“ fällt,

        oder den Himmel, den man ganz anders „im Rahmen“ sieht

        ( hat „James Turrell“ mehrfach kopiert, heißt bei ihm dann „Sky Space“ )

        • Wolfgang Müller sagt:

          Hab auch ne kleine Geschichte mit dem Pantheon. Bei meinen ersten beiden Besuchen in Rom bin ich gar nicht hingegangen, weil ich dachte: Pantheon, langweilig, kenn ich aus Paris. So blöd kann man sein. – Erst vor ein paar Jahren bin ich mit unsrer Tochter hinspaziert und hab schon, als ich die rohe Rückseite sah, gemerkt: Oh, das ist etwas ganz anderes. Und war drinnen dann doch betroffen. Diese enorme uralte Kuppel, und durch die Öffnung in der Mitte die Himmelsewigkeit…

          • … wir waren beide beeindruckt, vom Pantheon, dem „Original“.

            In der Zwischenzeit habe ich die Gelegenheit genutzt, und mir einen „Sky Space“ von „James Turrell“ angeschaut, und war NICHT beeindruckt. Und es fiel mir wieder ein:

            „Io sono una forza del Passato.
            Solo nella tradizione è il mio amore …“

            „Ich bin eine Kraft aus der Vergangenheit.
            Nur der Tradition gilt meine Liebe …“

            Pier Paolo Pasolini

            das Gedicht, das in seinem Kurzfilm „La Ricotta“ vom Regisseur (Orson Welles) rezitiert wird. Beim YouTube-Video gibt es (gute) englische Untertitel (für den Fall, dass hier jemand nicht fließend Italienisch sprechen sollte):

            https://www.youtube.com/watch?v=j_od3BxJ2W0

            „Io sono una forza del Passato.
            Solo nella tradizione è il mio amore.
            Vengo dai ruderi, dalle chiese,
            dalle pale d’altare, dai borghi
            abbandonati sugli Appennini o le Prealpi,
            dove sono vissuti i fratelli.
            Giro per la Tuscolana come un pazzo,
            per l’Appia come un cane senza padrone.
            O guardo i crepuscoli, le mattine
            su Roma, sulla Ciociaria, sul mondo,
            come i primi atti della Dopostoria,
            cui io assisto, per privilegio d’anagrafe,
            dall’orlo estremo di qualche età
            sepolta. Mostruoso è chi è nato
            dalle viscere di una donna morta.
            E io, feto adulto, mi aggiro
            più moderno di ogni moderno
            a cercare fratelli che non sono più.“

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