Anthroposophie (16): Gemütlich ist es nicht

So wie es kulturelles Christentum gibt und kulturellen Islam, also ein milieuhaftes Hineinwachsen in diese Traditionen, ohne persönliche, ins Letzte gehende Eroberung und Entscheidung, so gibt es wohl inzwischen auch kulturelle Anthroposophie. Kraftlos sind sie alle. Denn die Kraft kann nur aus einem scharfen Prozess innerer Auseinandersetzung und Aneignung hervorgehen, der die Dinge ganz neu vor sich stellt.

6 Kommentare zu „Anthroposophie (16): Gemütlich ist es nicht“

  1. Rainer Herzog sagt:

    „Kraftlos“ ist die exakte Beschreibung der kulturellen Anthroposophie. Ihr Kennzeichen ist ein passives und konsumierendes für-wahr-halten von Steiners Aussagen. Man kann schauen, ob man einen sehr eigenen, sehr individuellen Weg findet, wie man die „gegebenen Inhalte“ des Steinerschen Riesenwerkes in den gelebten Alltag integriert. Dann kann man auch erfahren, wie diese Inhalte eine Form von Lebendigkeit bekommen, eine Lebendigkeit, die von einem Bücherwissen weit entfernt ist.

    • @ Rainer Herzog

      Zitat Rainer Herzog: „… eine Lebendigkeit, die von einem Bücherwissen weit entfernt ist“

      aber wir lesen schon noch, was Steiner im Original geschrieben hat?

      Denn meine Erfahrung ist eine andere, ich hab’ mal geschrieben (und meine nicht nur die Waldorfschule):

      „Tabu ist, Rudolf Steiners Original-Texte als Grundlage der Waldorfpädagogik zu diskutieren, es hat den Anschein, Waldorfschulen hätten den inoffiziellen Bildungsauftrag: ‘Verlernt Lesen!’“

      aus: „Gegenteil-Tag, 365 Tage im Jahr“, https://hpd.de/artikel/10024

      • Rainer Herzog sagt:

        @ Andreas Lichte

        Ich dachte, Sie wollten nicht über die Anthrop. diskutieren…?

        Klar lese ich Steiner auch gerne („dann und wann“) im Original. Seine Waldorfpädagogik hat mich nie besonders interessiert, da ich keine Kinder habe. Die ehemaligen W.schüler, die ich persönlich kenne, berichten eigentlich alle sehr positiv über ihre Schulzeit.

        • @ Rainer Herzog

          ich habe an Wolfgang Müller geschrieben, dass wir besser nicht über Anthroposophie diskutieren …

          aber auch mit Ihnen habe ich ja nicht über Anthroposophie diskutiert, sondern über ein ganz allgemeines Phänomen (am Beispiel Analphabetismus in der Waldorfschule):

          die „Mythenbildung“, wenn niemand das Original kennt …

          • Rainer Herzog sagt:

            Was mir noch einfiel: Beim Thema Waldorfpädagogik kann man m.E. auch manche Engstirnigkeit von „kulturellen Anthroposophen“ erkennen: Das sind dort diejenigen Lehrer, die sich kritisch über Fußball (auf dem Schulhof und allgemein) äußern, aufgrund einer entsprechenden Aussage Steiners.

            Dass die Relativität und Zeitbezogenheit einer solche Aussage nicht erkannt wird, ärgert mich häufig bei dieser Thematik. Steiner würde sich heute garantiert nicht mehr so kritisch über Fußball äußern, er würde sicher erkennen, dass es ein positiver Aggressionsabbau und eh ein sehr soziales Spiel ist.

  2. @ Wolfgang Müller

    über „Anthroposophie“ diskutieren wir besser nicht, dabei kommt nichts heraus, noch nicht einmal eine „kulturelle Anthroposophie“ …

    Mein neuester Artikel – vom 29. Mai 2018 – zur anthroposophischen Praxis:

    „100 Jahre Waldorfschule 2019:

    100 Jahre Pädagogik aus dem Esoterik-Baukasten“

    https://hpd.de/artikel/100-jahre-paedagogik-dem-esoterik-baukasten-15645

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