Was ist, neben vielem anderen, das Schöne an Kindern? Dass man sie noch in der Mitte ihrer Existenz erreichen kann; dass ihnen Geschichten, Spiele, Glück und Unglück bis ins Mark gehen. Bei Erwachsenen ist das häufig nicht mehr der Fall. Sie regulieren, meist recht routiniert, ihren Austausch mit der Welt. Oft kann nicht mehr viel das Mauerwerk ihres Lebens durchdringen.
Das hat gewiss seine Gründe. Die Mauern bieten Schutz. Wahrscheinlich ist ihre Höhe ganz einfach proportional zum Grad der Übergriffe, die erlebt wurden.
Dennoch: Ein trübes Dasein, das sich damit abfindet; das nicht zumindest die Option im Blick hat, wieder durchlässiger zu werden, die Zollkontrollen abzubauen, und sei es auf ganz eigene Weise, vielleicht höchst vorsichtig, in ganz persönlicher Dosierung. Erwachsen sein heißt doch auch: die Gesetze der eigenen Weltkommunikation frei bestimmen.
Wenn die Plagen der Kindheit und die Abwehrschlachten der jungen Jahre vorbei sind, kann gerade dies ein Entwicklungsziel sein: sich wieder voll verfügbar zu machen, wieder erreichbar zu sein wie ein Kind, sich zu erinnern: Es steht, auch jetzt noch, immer alles zur Disposition. – Am Ende gilt ohnehin: Es gibt Mauern, aber es gibt keinen Schutz.