Jugendliche fühlen sich in gewissem Sinn unverwundbar. Unbewusst fühlen sie sich wie jene Tiere, denen eine verlorene Gliedmaße schon irgendwie nachwächst und die, wenn sie ein bisschen aufpassen, überhaupt keine Gliedmaßen verlieren, sie sind ja sehr flink.
Wenn dieses Lebensgefühl dann doch einmal erschüttert wird, wenn sie zum Beispiel einmal ernsthaft erkranken, dann kann man eine Art Verblüffung bei ihnen spüren: Dass ihnen so etwas passiert! Dass einer, der gestern stark war, heute schwach ist. Dass einer, der gestern noch dreitausend Meter lief, heute kaum den Weg ins Bad schafft. Vielleicht haben sie sogar Schmerzen, aber fast größer als die Schmerzen wirkt ihre Ratlosigkeit.
Als Erwachsener kennt man das alles schon. Da hat man sozusagen schon eine Geschichte der Schwäche und hat gelernt, mit dem Auf und Ab umzugehen. Manche haben sich sogar in der Schwäche eingerichtet.
Von alldem sind die Jugendlichen weit entfernt. Ihnen ist, als lebten sie in einem anderen Universum als die Älteren, die mit ihren Kräften haushalten, Mittagsschlaf machen und sich ständig irgendwelche Sorgen machen. Sie schauen auf uns herunter. Ist es nicht ein entzückendes Spiel, das wir in wechselnden Rollen seit Urzeiten aufführen?