Thema: „Erde“

Auf dem Weg ins Leben

Zwischen den Bäumen taucht eine Gruppe Mädchen auf, die offenbar einen Waldlauf machen – federnd, hüpfend, schwebend, plaudernd. Noch ganz ohne die Schwere der Erwachsenen. Als wären sie, körperlich wie seelisch, nur erst lose und versuchsweise mit der Erde verbunden.

Ich bin auf Sirius ausgebildet worden und will dort auch wieder hin, obwohl ich derzeit noch in Kürten bei Köln wohne.

Karlheinz Stockhausen

Das Ferne nah

Am meisten fasziniert hat die ersten Astronauten, die zum Mond flogen, nicht die Wüste dort, die sprichwörtliche Mondlandschaft, sondern der Blick zurück – zur zarten blauen Erde, die wie entrückt am Horizont stand. Ergreifend war – das eigentlich Vertraute.

Liegt darin nicht ein Gleichnis? Das Bekannte anders sehen, distanzierter und liebender zugleich – ist das nicht aller Lebensreisen Sinn?

Planetarisch gedacht

Da ging ich diesen wunderbaren Feldweg, bog dann nach rechts in Richtung Süden, wo die Sonne stand. Kann doch nicht falsch sein, ging mir durch den Kopf, der Sonne an diesem kalten Herbsttag ein wenig näher zu kommen.

Ein wenig.

Heimatplanet

Mag sein, dass manches aus der Nähe besser zu erkennen ist. Anderes aber erkennt man besser aus der Ferne. Immer wieder faszinierend die Aufnahmen von der Erde aus dem Weltraum, wenn der blaue Planet als ein Ganzes sichtbar wird, überaus schön und zart und verletzlich. Es erscheint dann so klar und naheliegend, dass er für die Menschen in all ihrer Unterschiedlichkeit ein erfreulicher Wohnort sein könnte. Und für die Tiere, für die Pflanzen. Er hat das Zeug zum Paradies.

Und was trennt uns davon? Ach, da sind noch ein paar Dinge abzuarbeiten, aus den alten Zeiten, den harten Zeiten, aus der Hungerwelt und der Kampfwelt, das ist ja gerade erst vorbei, und für manche noch gar nicht vorbei, das sitzt uns noch in den Knochen. Es wird also noch ein bisschen dauern, nun gut, wir werden es nicht mehr erleben, ein bisschen Zeit noch, es werden ein paar Jahrhunderte sein, vielleicht können wir es sogar ein wenig fördern – eines Tages aber wird es so sein, wie es sein kann.

Kosmische Metapher?

Galaxien, so lese ich, haben in der Regel in ihrem Zentrum ein Schwarzes Loch. Unsere Galaxie, wir nennen sie Milchstraße, auch. Unser zentrales Schwarzes Loch hat den astronomischen Namen Sagittarius A*. Offenbar kennt man noch ein gutes Dutzend weiterer Schwarzer Löcher in unserer Galaxie, das im Zentrum aber ist das schlimmste. Immerhin droht keine Gefahr, unser charmanter Planet ist an die dreißigtausend Lichtjahre davon entfernt.

Es liegt in der Natur Schwarzer Löcher, dass man sie nicht sehen kann. Ihre Anziehungskraft ist so gigantisch, dass nicht einmal Licht ihnen entkommen kann, eben daher erscheinen sie – schwarz. Man kann sie nur indirekt nachweisen. Neulich zum Beispiel konnten wohl Astronomen verfolgen, wie ein Stern von Sagittarius A* verschlungen wurde. Sie konnten das verfolgen, weil sich ein solcher Stern in seinem letzten Moment irrwitzig aufheizt und dann in einem Bereich der Röntgenstrahlung leuchtet, den entsprechende Teleskope registrieren können. Es ist wie ein letzter Schrei, würde der Dichter sagen. Dann ist wieder alles schwarz.

Bleibt: Gerade das Stärkste, Energiereichste im Universum ist nicht sichtbar.

Das gibt zu denken.

Auf dieser Erde gibt es keinen auch noch so einfachen und rudimentären Organismus, der nicht Endpunkt einer Reihe von Wesen ist, die im Verlaufe der letzten zwei Milliarden Jahre oder vor noch längerer Zeit gelebt haben.

Francois Jacob

Draußen

Mir ist danach, aus dem Haus zu gehen, obwohl Wind und Regen gegen die Fenster schlagen, sogar schon erste Schneeflocken, die am Boden sofort zerfließen – das scheußlichste Wetter, das man sich vorstellen kann.

Wenn aber, denke ich dann unterwegs, das Scheußlichste immer noch so schön ist, ist das doch kein übler Planet.

Das Plankton und ich

Ich spüre die Wärme, die der Heizkörper neben mir abstrahlt. Das Wasser darin wird im Keller erhitzt, mit Erdgas. Das Gas wurde durch große Leitungen über Tausende von Kilometern gepumpt, vielleicht kommt es aus Sibirien, vielleicht aus Norwegen. Häufig sind die Vorkommen, so lese ich, vier oder fünf Kilometer unter der Erdoberfläche, das Gas steht unter Druck, man muss die Gasblasen nur anbohren. Sie haben sich zu einer Zeit gebildet, als auf der Erde eher Saurier als Menschen lebten. Der Ausgangsstoff sind abgestorbene Algen und winzige Meerestiere, wie sie bis heute in den Ozeanen treiben. Wenn diese Biomasse, tot zum Grund der Meere gesunken, von Sand und Gestein überdeckt wird, kann sie nicht wie üblich verwesen: Weil der Sauerstoff fehlt, verwandelt sie sich in einen fauligen Schlamm. Aus ihm bildet sich das Gas, das Millionen Jahre später, inzwischen leben eher Menschen als Saurier, in die Keller strömt.

So ist das auf der Erde

Es ist interessant, dass es Wesen gibt, die nicht nur Objekte sind und wie Steine geschoben und geschichtet werden oder wie Plankton mit der Strömung treiben, sondern ihren Ort und ihre Bewegung mitbestimmen, zum Licht, zur Nahrung, zu milderen Klimaten.

Und dann gibt es sogar noch Wesen, die über Form und Ziel ihrer Bewegung reflektieren und ihr Verhalten immer wieder selbst justieren können. Welch ein Raum der Möglichkeiten sich da öffnet!